Reflexion nach dem Ramadan
Es ist vorbei. Die Nächte mit Tahajjud, der Geruch von Suhoor kurz vor dem Fajr, das leise Summen des Korans in deiner Küche, all das liegt jetzt hinter dir wie ein Traum, der langsam verblasst, während du die Augen aufschlägst.
Wenn das Alte leise zurückschleicht
Vielleicht hast du es gestern schon gespürt. Oder heute Morgen. Den Moment, in dem du nicht mehr innegehalten hast, bevor du dein Telefon in die Hand nahmst. In dem du gegessen hast, ohne wirklich da zu sein. In dem der Tag begann, ohne dass du ihn bewusst begrüßt hättest.
Das Alte kehrt nicht laut zurück. Es schleicht. Es tippt dir leise auf die Schulter und flüstert: „Kennst du mich noch? Ich bin dein gewohntes Leben.“ Und ehe du dich versiehst, funktionierst du wieder… statt zu fühlen, zu geben statt zu empfangen, vorwärts zu rennen statt innezuhalten.
Gerade als Mutter passiert das fast unbemerkt. Du gibst, organisierst, trägst und irgendwo auf diesem Weg verlierst du dich wieder ein Stück.
Weil du es nie anders gelernt hast. Weil niemand dir beigebracht hat, dass auch du eine Amanah bist: dir selbst gegenüber.
Jetzt. Genau jetzt.
Der Ramadan hat dir gezeigt, wer du sein kannst. Du hast verzichtet, durchgehalten, gebetet, obwohl dein Körper müde war. Du hast geduldig reagiert, als du an deine Grenzen kamst. Du hast dein Herz aufgemacht, in Momenten, in denen es schwer war.
Aber weißt du, was das Wahre daran ist? All das geschah, weil eine Struktur da war. Die Gemeinschaft zog mit. Die Tage hatten Form. Allah war in aller Munde.
Und jetzt zieht niemand mehr mit. Die Struktur fehlt. Der Kalender ist wieder leer. Und du stehst da, mit allem, was du im Ramadan in dir entdeckt hast und fragst dich, ob es bleibt.
BEDENKE DAS
Im Ramadan hast du bewiesen, wer du bist. Aber nach dem Ramadan zeigt sich, ob du es auch glaubst.
Dein Körper erinnert sich.
Stell dir deinen Körper wie einen stillen Begleiter vor, der alles aufzeichnet. Jede durchwachte Nacht. Jeden übersprungenen Moment der Ruhe. Jeden Seufzer, den du für dich behalten hast, weil gerade keine Zeit war.
Er antwortet in Erschöpfung, in Reizbarkeit, in diesem Ziehen hinter den Augen, das einfach nicht weggehen will. Er ist dein Spiegel.
Und er ist formbar. Das ist das Wunderbare. In der Epigenetik, einem Wissen, das ich unter anderem bei HealVersity vertiefen durfte, geht es genau darum:
Dein Körper wird durch das geformt, was du täglich lebst, denkst, fühlst… tief in dir, in deinen Zellen, deinem Nervensystem, deiner Energie.
Du bist nicht „einfach so erschöpft.“ Du bist nicht dazu bestimmt, dich dauerhaft leer zu fühlen.
Aber dein Körper braucht neue Signale., die ihm sagen:
Es ist sicher. Du bist versorgt. Du darfst ruhen.
Es beginnt leise.
Du musst nicht dein Leben umkrempeln. Du musst nicht morgen früh um fünf Uhr aufstehen und einen neuen Lebensplan schreiben. Die größte Veränderung trägt sich auf kleinen Schultern.
- In dem Moment, in dem du dir erlaubst, kurz zu sitzen, statt sofort weiterzumachen.
- In einem tiefen Atemzug, bevor du auf dein Kind reagierst.
- In einem bewussten Bissen, statt nebenbei zu essen.
- In einem ehrlichen Dua, das nur für dich ist, nicht für alle anderen.
Sie sehen dich. Immer.
Deine Kinder müssen nicht dabei sein, wenn du betest, um zu lernen, wie Hingabe aussieht. Sie müssen dich nicht meditieren sehen, um zu lernen, wie Ruhe sich anfühlt. Sie sehen dich beim Kochen. Beim Antworten auf Nachrichten. Beim Umgang mit Erschöpfung.
Und sie lernen: So geht man mit sich um.
Was du dir selbst erlaubst, erlauben sie sich später auch. Was du dir versagst, versagen sie sich auch. Du bist nicht nur Mutter… du bist auch ein Modell dafür, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.
Du musst nur anfangen, dich selbst wertzuschätzen (sichtbar genug, dass sie es sehen können).
Geh nicht zurück. Geh nach vorne.
Es wird Tage geben, an denen du zurückfällst. An denen du dich wieder vergisst. An denen die Erschöpfung lauter ist als dein bester Vorsatz.
Aber erinnere dich daran: Dieser Weg gehört dir. Jeder kleine Schritt, den niemand außer dir wahrnimmt aber Allah sieht ihn.
Nach dem Ramadan ist nicht das Ende deiner Reise. Es ist der Moment, in dem sich zeigt, ob du dich selbst wirklich mitnimmst.
Also geh. Schritt für Schritt, mit all deiner Unvollkommenheit und all deiner Stärke.
Echte Veränderung beginnt genau dort.
In dem leisen Moment, in dem du dich entscheidest, dich selbst nicht zu vergessen.




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